03 Nov 2017 - 19 Nov 2017

Aus dem Unvollständigen Glossar der Zeitschrift Idiome: Walter Ebenhofer morph

Vernissage: 03 Nov 2017 @ 19:00

En

Dear guest of the Gallery,

we cordially invite you this Friday, 03. 11. at 7 pm to the exhibition morph by Walter Ebenhofer. This show accompanies the tenth, and therefore jubilant publication of "Idiome. Hefte für Neue Prosa", edited by Ralph Klever, Florian Neuner and Lisa Spalt. In the last issue writers and visual artists were invited to work together in accordance with a particular scheme. The invitees were given a list of words / concepts from which they could only choose one, and write a text, or create a visual work inspired by it. The word each artist selected then determined who they would be partnered with. A black-and-white print of the results of these collaborations was provided by the editors of the magazine.
Thus, an incomplete glossary emerged. The collaboration included artworks created alongside the given texts. The concept "morph" was chosen by the author Ann Cotten and photographer Walter Ebenhofer.

 

De

Eröffnung am Freitag, 3. November, um 19 Uhr
Mit Tone Avenstroup (Autorin, Berlin) und Florian Neuner (Herausgeber Idiome. Hefte
fur Neue Prosa)
Ausstellungsdauer: 4. 11. – 19. 11.
Öffnungszeiten: Jeden Samstag sowie am 8., 10. und 15. 11 von 16:00 bis 19:00 Uhr

Gefördert durch das Bundeskanzleramt, Sektion Kunst und Kultur, Wien, die Stadt Steyr und das Land Oberösterreich
Bild: Walter Ebenhofer, morph_Komposit 2, 2016. © Bildrecht, Wien

Aus dem Unvollständigen Glossar der Zeitschrift Idiome:

Walter Ebenhofer

morph

Für die 10. Ausgabe der Zeitschrift Idiome. Hefte für Neue Prosa (hg. von Ralph Klever, Florian Neuner und Lisa Spalt) waren bildende Künstler und Autoren eingeladen, sich gemeinsam an Begriffen abzuarbeiten, die sie aus einer Liste auswählten, ohne zu wissen, wer aus der jeweiligen Nachbarkunst denselben Begriff wählen und ihr Partner oder ihre Partnerin sein würde. Die einzige Bedingung seitens der Herausgeber war, ein in Schwarzweiß druckbares Resultat abzuliefern. So ist ein Unvollständiges Glossar entstanden, das Gemeinschaftsarbeiten ebenso umfaßt wie Fotografien oder Zeichnungen, die neben oder zu Texten entstanden sind. Das Stichwort morph haben die Autorin Ann Cotten und der Fotograf Walter Ebenhofer gewählt, der zu seinen für Idiome entstandenen Arbeiten sagt: Meine Mutmaßungen zur Wirklichkeit in der Fotografie, zum Beispiel mittels Darstellung auf Holz, versuche ich im vorliegenden Falle an die Gegebenheiten und Möglichkeiten der Abbildung in einer Buchpublikation anzupassen. Die obligate Frage, was und wo den nun ein Bild sei, begegnet mir dabei in Neugierde weckender Weise nochmals; jedenfalls als wundersame Zeichenkraft. Der Austausch der Instanzen von Bild und Wort schwebt über allem. Eine zentrale Frage: aus welchem Impuls hat wohl Ann Cotten morph gewählt? Ein Grund – das Papier; oder BILD ich mir das ein? Fotografien werden Frottagen und schon ist Max im Spiel – le subjectile.

 

IDIOME, Hefte für Neue Prosa: Der Name der Zeitschrift, vor einem Jahrzehnt gefunden, deutet auf ein sich wandelndes Programm, auf den Wunsch, nicht beim einmal Gefundenen stehen zu bleiben. Und tatsächlich wandelt sich ja auch die Vorstellung vom «gerade heraus Gesprochenen», dem «Prosaischen», ständig – eine Herausforderung, der Florian Neuner, der die IDIOME dankenswerterweise nun schon so lange herausgibt, jährlich ein feines Heft widmet. Dieses Jahr haben wir uns aus Jubiläumsgründen wieder – wie zu Beginn im Jahr 2007 – gemeinsam um die Herausgabe gekümmert und, um wieder neue Blickwinkel zu gewinnen, ausnahmsweise Prosa und bildende Kunst zusammengeführt. Ein Text tritt heute selten allein auf. Gewöhnt sind wir an die Formationen des Internets. Da hält der Text für gewöhnlich Händchen mit mindestens einem Bild. Und zumeist spielt das Bild dabei die Rolle des Erwachsenen, der Text hält sich, Rechtfertigung suchend, an ihm fest. Oder das Textchen hängt überhaupt nur noch unten am Bild dran wie jemand, der aus dem Fenster gerutscht ist und sich in Erwartung der Feuerwehr mit dem Sprungtuch am Fensterbrett festklammert. Doch genug der Bilder, deren scheinbare Unmittelbarkeit heute zumeist als das eigentliche «einfach Sprechende» empfunden wird: An Kunst/Literatur interessiert mich vor allem die Möglichkeit, sich der Erprobung alltäglicher Erlebnisse widmen zu können, der Erprobung ihres Erscheinens, ihrer Wirkungen, ihrer Veränderungspotenziale etc. Das Setting, das den BeiträgerInnen zum vorliegenden Band der IDIOME angeboten wurde, stellt für mich eine Einladung zu einer solchen Erprobung des Text-Bild-Verhältnisses dar. Da geht es um flache und weniger flache Hierarchien, Verdrängungsbewegungen, gegenseitige Ausdeutungen, Ausbeutungen, Beziehungen, in denen man sich ergänzt oder sich die kalte Schulter zeigt, ja sogar Verbindungen, die man mit sich selbst eingeht. Es geht darum, was Bilder, die die herrschenden Bildregime durchleuchten, mit Texten, die das alltägliche Sprechen erproben, bewirken können. Denn wie Paul Watzlawick festgestellt hat, ist eine Beziehung ja keine bloße Summe aus zwei Charakteren, sondern etwas Drittes, das nicht einfach zu berechnen ist. Diesem Dritten gilt es hier auf die Spur zu kommen. Gleichzeitig gilt es aber auch zu reflektieren, dass diese Beziehung bedroht ist, ist doch immer öfter die Rede davon, dass die Bildlichkeit die Kulturleistung der Schrift wieder verdrängen wird, dass wir bald wieder in ein Stadium der Schriftlosigkeit übergehen werden. Das Dritte ist – in einer Zeit, in der ein Autor auf die Idee kommt, den wunderbar vielschichtigen Lewis Carroll in Emojis zu übersetzen – vielleicht wirklich in Gefahr. Grund genug, ihm dieses Heft zu widmen, diese Erprobungen.

Lisa Spalt

 

insel wasser schilf jeg holder fast ved dette fels schären disse meer hügel seewind tingene eine grüne wiese de hadde glemt plastikstuhl et thermometer i stykker kohle knochen folien det er som om det er noe som gjentar seg

broer verbindungen forbindelser zwischen stein und stein konstruksjoner brücken mellom den ene og den andre die land mit land verbinden overgang über flüsse elver konstruktionen broer unter den brücken schlafen sie pont d'arcole auf pappen husløse unter den brücken under broene migranten

Fragmente von im schlaf søvn, Tone Avenstroup

 

WALTER EBENHOFER geboren 1952 in Ernsthofen/Niederösterreich, lebt als freischaffender Fotograf in Steyr. Seit 1982 Ausstellungen und Projekte mit experimentell-konkreter Ausrichtung, konzeptionell-dokumentarische Landschaftsfotografie, Arbeiten mit präpariertem Fotoapparat, Schußbilder, Architekturfotografie. Oberösterreichischer Landeskulturpreis für Fotografie 1995, Nominierung für den Merck-Preis, Darmstadt 2012. Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ (Linz) und der Fluss NÖ-Fotoinitiative. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, zuletzt u. a.: Die Kunstsammlung packt aus (OÖ Kulturquartier, Linz 2016), Die achtziger Jahre (MUSA, Wien 2015), Fluss. fünfundzwanzig (Schloß Wolkersdorf 2014), Weyrer Verbögungen (Rathausgalerie Amstetten 2010), leichte Präparate (Kunstverein Steyr 2009). Publikationen (Auswahl): Schubladen mit Hund (Galerie im Traklhaus, Salzburg 2000), Bildmischung (mit einem Text von Vilém Flusser, edition neue texte, Linz u. Wien 1991).