08 Jan 2016 - 16 Feb 2016

Old Titles New Pictures

Matthias Beckmann

Appropriating Language #13

Vernissage: 08 Jan 2016 @ 18:00
Finissage: 08 Jan 2016 @ 18:00

En


 Old Titles New Pictures
 
"How to picture The Allegory of Arithmetic, The Judgment of Paris, The Rest on the Flight to Egypt, The Creation of Adam, Broadway Boogie-Woogie or The Birth of Venus? That is the subject matter of the large sequence of drawings "Old Titles New Pictures", created in summer 2015. The painters of the Renaissance and Baroque exactly knew what and how they painted by properly understanding the content of the chosen topics. They gladly reached for iconographic material or books such as "Iconologia overo Descrittione Dell’imagini Universali cavate dall’Antichità et da altri luoghi " (1591) by the Italian scholar Cesare Ripa. Nowadays the artists seek themselves the content of their artworks by individually shaping the "pictorial morphology". It can also no longer be assumed that the viewer understands the biblical stories or the Greek Mytholgy or knows how to interpret an allegory. Therefore in museums, there are always placed explanatory plates next to the pictures.
Once, during a visit to the Gemäldegalerie, I came to the idea of creating new images corresponding to the traditional picture titles. Engaged with the objective and inspired anew I went searching for living sceneries in Berlin.
I instantly found some old motives, i.e. the centaur in the logo of the drugstore "Rossmann" or "Melancholy 1" after Albrecht Dürer's famous engraving in the sign of a cocktail bar near the Jannowitz Bridge. Between the cobblestones at a construction site I recognized secret allusions to the martyrdom of St. Stephanus.
It is often sufficient to give a contemporary scenery an ancient, allusive title, then, automatically, an interconnection between will emerge."
 
About the animation film "Photo Album"


 "I have drawn the albums that piled up on the floor, individual pages, the mounted photographs, lots of pictures selected from a metalic box and also my father's analogue cameras. So I can see now how he was looking at us.
The pictures of my family could be the images of all families. Anyone looking at them may recall his or her own family stories, certain postures and clothing manners, family celebrations, christenings, weddings, trips, the new car.
The film is not strictly an animation. One can see it as a sequence of pulsating drawings, which successively follow each other. Each still is "activated" by its lines that suddenly move, detach, de-center, desolve or briefly try to rebuild until a new picture takes over."

Matthias Beckmann



De


Alte Titel neue Bilder
 "Wie stellt man die Allegorie der Arithmetik dar, wie das Urteil des Paris,die Ruhe auf der Flucht, die Erschaffung Adams, Broadway Boogie-Woogieoder die Geburt der Venus? Das ist das Thema der umfangreichenZeichenfolge „Alte Titel neue Bilder“, die im Sommer 2015 entstand.                       

Die Maler der Renaissance und des Barock wussten was sie malen sollten und wie man die Inhalte richtig und verständlich darstellt. Sie griffen gerne auf Musterbücher und ikonografische Werke wie die Iconologia (1591) des italienischen Gelehrten Cesare Ripa zurück. Heute sucht sich jeder Künstler selber seine Bildinhalte und seine individuelle Darstellungsweise. Es kann auch nicht mehr vorausgesetzt werden, dass die Betrachter die biblischen Geschichten oder die griechische Mytholgie kennen oder eine Allegorie zu deuten wissen. Im Museum benötigen wir deshalb erklärende Hinweistafeln. Beim Besuch der Gemäldegalerie kam mir der Gedanke, zu tradierten Bildtiteln neue Bilder zu schaffen. Ich bin in Berlin auf die Suche gegangen. Zum Teil fand ich die alten Motive selber, wie den Kentaur auf dem Logo der Drogeriemarktkette „Rossmann“ oder die „Melancholie 1“ von Dürers berühmtem Kupferstich als Namenszug einer Cocktailbar nahe der Jannowitzbrücke. In den Pflastersteinen einer Baustelle erkannte ich geheime Anspielungen auf das Martyrium des Hl. Stephanus. Oft genügt es, einer alltäglichen Szene einen anspielungsreichen Titel zu geben, dann stellt sich von selbst ein Zusammenhang her."
 
Über den Zeichentrickfilm "Fotoalbum"
"Zusammen mit dieser Zeichenserie zeige ich erstmals den neuen Zeichentrickfilm „Fotoalbum“. Neben den alten Alben aus den Familien meiner Eltern gibt es ziemlich viele Bände mit den Fotos, die mein Vater von meiner Mutter, meinen beiden Brüdern und mir, von Verwandten und Bekannten aufgenommen hat. Diese Bilder zeigen den Blick meines Vaters auf uns. Ich habe die Alben gezeichnet, die sich auf dem Fussboden stapeln, einzelne Seiten, die eingeklebten Bilder, lose Fotos aus einer Blechdose und auch die Kameras meines Vaters. So blicke ich auf seinen Blick aus uns. Die Bilder meiner Familie sind zugleich die Bilder aller Familien. Sie erinnern an eigene Familiengeschichten, an bestimmte Körperhaltungen und Kleidungsstile, an Familienfeiern, Taufen, Hochzeiten, Ausflüge, das neue Auto. Mein jüngerer Bruder Georg hat die Klaviermusik beigesteuert. Ich spreche im Film über meine Beschäftigung mit den Fotos. Dirk Schaefer hat aus Klavieraufnahmen, Stimme und Geräuschen eine interpretierende Tonspur entwickelt. Matthias Daenschel ist für die Filmtechnik verantwortlich. Der Film lebt aus aufeinander folgenden Einzelbildern, deren Linien sich bewegen. Es gibt keine animierten Sequenzen sondern eine ruhige Folge gleichmäßig pulsierender Zeichnungen."
Matthias Beckmann